Es dürfte keinen Chor im Deutschen Sängerbund geben, der nicht mit einem Chorlied oder einem Chorsatz von Franz Biebl in Berührung gekommen ist. Biebl gehört un bestreitbar zu den fruchtbarsten Chorkomponisten , wenn einer überhaupt die Nürnberger Schule von Lang, Rein und Knab konsequent weitergeführt hat, so war und ist es er. FRANZ BIEBL, ACHTZIG
Von Franz R. Miller, aus Lied & Chor, September, 1986
Franz Biebl ist Oberfälzer, am 1.September 1906 geboren. Er besucht das humanistiche Gymnasium, studiert Komposition und Kirchenmusik bei Joseph Haas an der Musikakademie, der heutigen Hochschule für Musik in München und geht als Lehrer ans Mozarteum nach Salzburg. Nach dem Krieg wirkt er als Kirchenmusiker und Singschuldirecktor in Fürstenfeldbruck, um schließlich die Position seines Lebens zu erhalten: Er wird Referent für Chormusik am Bayerischen Rundfunk. Er wird ein Rundfunkpionier zu einer Zeit, da solche gar nicht mehr besonders gefragt sind. Im Gegensatz zu manchem Redakteur, der sich nur mit den Chorkoyphäen umgibt, um damit zu strahlen, arbeitet Biebl unermünlich an der Basis. Er füllt das Archiv mit Liedsätzen und eben auch populaer Chormusik, er erfüllt das Leben der Chorvereine auf dem Lande mit ihnen gemäßen Aufgaben, er hört sie an, er hört sie ab, er ist in den kleinsten Dörfern präsent, produziert unter schwierigsten Bedingungen und fordert immer ein bißchen mehr, als der Chor zu leisten imstande ist. Biebl hat hier eine Kulturarbeit von unschätzbarem Wert geleistet.
Der Komponist Biebl braucht eigentlich nicht vorgestellt zu werden. Wenn Biebl in die Musikgeschichte eingeht—und es wäre ihm zu wünschen—muß er in die klare Linie ab Silcher und Zelter gestellt werden. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht das Volkslied, er hat es mit Hunderten von Sätzen für alle Chorgattungen immer mehr "volksläufig" gemacht. Biebl ist ein blendender Stilist. Er befrachtet einfache Melodien nicht mit harmonischen und rhythmischen Finessen, er schreibt geradläufig, einfach, und jeder, der auch zur Gilde gehört, weiß, daß dies mit das schwerste Handwerk ist. Mollvarianten, weil der Text "traurig" wird, kühne Harmoniewechsel oder den Einbau "rhythmischer" Elemente, um zeitgemäß "in" zu sein, sucht man bei Biebl vergebens. Aber es findet sich eine Fülle von Stoffbehandlung durch ganz Europa; Bieble hat einige der gültigsten Spiritual-Bearbeitungen geschrieben, er hat plattdeutsche oder alpine Chorlieder kunst- und sachgerecht behandelt, und er konnte im Volkston schreiben, ohne oberflächlich populär zu werden.
Biebls große Sorge bleibt das Weiterspinnen all jener Kräfter, die sich mit den Namen Lau, Wolters, Jöde, Bresgen, Rohwer, um nur einige zu nennen, verbinden. Unbeschadet um die persönliche künsterlische geschaffen, die in ehrem Duktus, ihrem Melos, wahrhaftig sind. Es sind Melodien, glaskar, bildschön, federnd und biegsam. Biebl hat Adorno vielhundertmal ad absurdum geführt, womit diesem Feuergeist kein kleinlicher Tritt versetzt werden soll, über welchen er zweifellos erhaben wäre. Doch das Rad lief und läuft anders, auch wenn sich viele in die Speichen stemmen und aufgewärmte Wasser darüber sprühen.
Biebl aber ist ein nachdenklicher Mensch. Ihn sorgt gleichermaßen das Nivellieren des Geschmacks, die allzu bereitwillige Hingabe zum oberflächlich Unterhaltenden, zue Chorschnulze, zum Folkloreschlager, sum bloßen Tralalismus. Lauterkeit in der Komposition ist Biebls Devise, die gerade in der technisch einfachen Schrift unabdingbare Notwendigkeit bedeutet.
Biebl hat auch für Kammerchöre Werke von hohem Reiz geschrieben, man denke nur an seine "Chinesischen Mondlieder", die feinstes Chorfilgran sind. Als guter Süddeutscher suchte er das deutsche Singspiel wieder zu beleben und widmete sich mit Hingabe dem Dialektlied in seinen differenzierten Facetten.
Äußerlich bleib Biebl immer bescheiden, äußerlich hat sich der Achtziger auch wenig verändert. Er ist agil und schaftensfreudig, er ist ein eifriger Pädagoge—denken wir nur an die vielen Aufsätze in LIED & CHOR—wo er eine Fülle von Wissen und Erfahrung weitergibt.
Biebl und dem Chorleben in Deutschland kann man nur wünschen, daß die gute Gesundheit vorhält. Wer ihm seine Volksnähe vorhalten will, dem könnte er schönstens mit Cicero antworten: Pectus est quod facit disertos! Das Herz ist es, das beredt macht!
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